Schrobenhausener Spargel
von Familie Tyroller, Aumühle

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Artikel aus der Schrobenhausener Zeitung vom Mittwoch den 23. April 1969

Aumühle weit älter als Mühlried

Aus der elfhundertjährigen wechselvollen Geschichte dieses Anwesens Mühlried. Vor wenigen Tagen konnte einer der bekanntesten und geachtetsten Bürger der Gemeinde, Stefan Wünsch, bekannter unter dem Hofnamen "der Aumühler", seinen 80. Geburtstag feiern.

Mit seinem Namen ist die Geschichte der Aumühle eng verbunden. Dieses Anwesen kann auf eine über 1100 jährige Geschichte zurückblicken, denn 855 wurde der Bau in Angriff genommen. In stiller Abgeschiedenheit und abseits des großen Verkehrs liegt ostwärts der Gemeinde Mühlried der Bauernhof, dessen Entstehungsgeschichte weit vor der des Ortes Mühlried beginnt. Es ist die Aumühle, einst die unterste Mahl- und Sägemühle Mühlrieds. 400 Meter über dem Meeresspiegel liegend gehörte sie im hohen Mittelalter zur Hofmark Wert Wartenburg und ist eines von diesem einstigen stolzen Edelsitz, zu dem zwei Burgen, drei große Höfe und eine Kirche gehörten, der einzig übriggebliebene Siedlungsrest. Die Entstehungsgeschichte findet nach den Angaben der Mühlrieder Ortschronik etwa 912 ihren Abschluss. Über dem ersten Vierteljahrtausend liegt tiefstes Dunkel, da durch unersetzlichen Urkundenverlust alle Überlieferungen verloren gingen. Fest steht lediglich, das die unmittelbar nördlich der Aumühle vorgelagerten zwei Bauernhöfe 200 Jahre später erbaut wurden und etwa um die gleiche Zeit südlich der Mühle der Edelsitz Werde mit St.-Margarethen-Kirchlein entstand.

Vermutlich anfangs ein altkeltischer Brückenkopf, wurde die Stelle später als Flussübergang bevorzugt. Die nie versagende Wasserkraft mag den Erbbauern den Entschluss gegeben haben, hier die Mühle zu erstellen. Wie überall im Paargau, wurde auch im Gemeindebereich zwischen 1240 um 1360 sehr viel zerstört und verwüstet. Dieser Zerstörung viel neben der Hofmark Wert auch die "Mühle in der Au" zum Opfer, wurde jedoch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wieder betriebsfertig gemacht. Von der ganzen Hofmark Wert wurden nur mehr die Kirche St.Margareth und der Sedlhof aufgebaut, dagegen verödeten Burgen, Wehrbauten, eine Anzahl Bauernhöfe und viele urbar gemachte Grundstücke, die mit Wald und Buschwerk verwuchsen. Die Reste und Steine der Gehöfte verwendete man im Spätmittelalter, als es an Baumitteln mangelte, für Neubauten. In der sogenannten Raubritterzeit fiel die Mühle an den Herzog von Oberbayern. Zur gleichen Zeit ging der Besitz der Hofmark von dem Rittergeschlecht der "Stumpfen" auf die "Teufel von Pühel" über, aus deren Besitz er später von denen, von Weichs übernommen wurde. Alle späteren bezeugten Aumüller schrieben sich "Ave-Müller" oder später kurz "Aumüller".

Hier sind alle Unterlagen erhalten geblieben, und in lückenloser Reihenfolge lässt sich ihr Geschlecht von 1374 bis 1584, also für über 200 Jahre, in sieben Generationen nachweisen. Namhafte Träger des Namens Aumüller in ganz Oberbayern für ihre Herkunft auf die Aumühle der Gemeinde Mühlried zurück. Das die Aumüller seit jeher ihr Recht zu vertreten wussten, geht aus den vorliegenden Unterlagen, die verschiedene Prozesse betreffen, hervor. So klagten 1374 "Frau Adelhaid, die Avemüllerin und ihr Sohn, Ulreich Ave-müller" gegen den Bürgermeister von Augsburg; aus dieser Urkunde ist zu erfahren, dass des damaligen Aumüllers Witwe Adelhaid eine geborene Lienhardin und Augsburgers Bürgerstochter war, die nach dem Ableben ihres Bruders einen Neffen zu sich genommen hatte, für den sie die Herausgabe verschiedener Güter von den Augsburgern forderte. Auch die verschiedenen Zubehöre der Aumühle der damaligen Zeit sind schriftlich festgehalten. Im Neuburger Kopialbuch Nr. 76 wird diese folgendermaßen beschrieben: "Avemül, ain Ainod, baut über 1 Juchard in jedes Feld, 6 Tgw. Wies, gelegen vor der Bruck, zwinmajdig, ferner 9 Tgw. Wies im Moos, einmajdig, ½ Tgw. im Wird, außerdem 6 Juchard Holz, gehört zu der Mühl.

Zur Mühlstatt gehören noch 3 Gärten mit 2 Juchard, und 1 Hofstatt, drauf die Mul stat." Wahrscheinlich durch Einheirat übernimmt 1850 ein Hans Moosmair als Urbarsmüller die Mühle. Fast 30 Jahre lang leitet er die Geschicke der zu diesem Zeitpunkt weit und breit bekannten Mühle. Als tüchtiger Meister festigt er den Ruf der gutgehenden Schneid- und Mahlmühle und wirkt daneben lange Jahre als Mühlgraf im Paargau. Nach seinem Tode übernimmt sein Sohn ein beträchtlich angewachsenes Vermögen. Auch seine Nachfolger vermehren den Besitz durch Fleiß und gute Arbeit. 1633/34 wird die Mühle von Schweden und Augsburgern total niedergebrannt, ausgeraubt und verwüstet. Aber drei Jahre später geht ein 18jähriger Aumüller" an den Wiederaufbau des Annwesens. Durch gute Heirat mit der Schrobenhausener Patriziertochter, der Ratsherrnwittib und Brauerei Besitzerin Katharina Miller, die er am 21. April 1671 heiratet, treten wieder geordnete finanzielle Verhältnisse in der Aumühle ein. In den folgenden Jahrzehnten aber geht es langsam abwärts mit dem Besitz. Verschuldungen zwingen immer wieder zum Verkauf. 1881 bietet die Bavarische Wechsel- und Hypothekenbank das Anwesen zum Verkauf. 1908 tritt die Stadt Schrobenhausen als Käufer auf und erwirbt für 190 000 Mark Aumühle und Oberhaidhof.

Zu diesem Zeitpunkt wird der Mahlbetrieb eingestellt, eine Schankwirtschaft entsteht. 1909 ? erlässt der Bürgermeister der Stadt Schrobenhausen eine öffentliche Bekanntmachung, laut der der Rentner Hans Wünsch die Aumühle erworben hat. Am 17.04.1920 übernimmt der Bauer Stefan Wünsch das Anwesen, das längst wieder ohne Schankwirtschaft ist, und dieser bewirtschaftet den Hof bis etwa 1952 und übergibt dann das Anwesen an Johann Tyroller, einen Nachfahren eines alten Mühlrieder Bauerngeschlechts, der durch Einheirat die alte Tradition der Aumüllers fortsetzt. Stefan Wünsch ist inner- und außerhalb des Familienkreises immer noch das geschätzte und anerkannte Oberhaupt dieses traditionsreichen Namens.